Pleiten, Pech und Pannen – Was bei einer Trauung alles schiefgehen kann

Eine Hochzeit soll perfekt sein. Alles ist geplant, vorbereitet und durchdacht: das Kleid, der Anzug, die Ringe, die Blumen, die Musik, die Location – und natürlich auch die Trauung. Und dann kommt das echte Leben.
Denn so perfekt eine Hochzeit auch geplant sein mag: Eine Garantie dafür, dass an diesem Tag wirklich alles nach Plan läuft, gibt es nicht. Und ehrlich gesagt: Oft sind es gerade die kleinen Pannen und ungeplanten Momente, die später zu den Geschichten gehören, über die man noch Jahre lachen kann.
Als Standesbeamter und freier Trauredner habe ich in den letzten knapp 26 Jahren schon einiges erlebt. Manche Dinge passieren einfach. Andere glaubt man erst, wenn man selbst dabei war.
Hier ein kleiner Blick hinter die Kulissen – auf die etwas andere Seite einer Hochzeit:
Wenn das Handy wichtiger ist als der Ringtausch
Beginnen wir mit einem Klassiker: dem Handy. Natürlich gehört es heutzutage dazu. Es steckt in der Hosentasche, ist lautlos gestellt und eigentlich sollte überhaupt nichts passieren. Eigentlich.
Aber dann läutete plötzlich das Handy des Bräutigams - genau während des Ringtausches. Mitten in diesem besonders feierlichen Moment. Zum Glück nahm er den Anruf nicht auch noch entgegen. Aber spätestens seit diesem Erlebnis empfehle ich: Vor der Trauung nicht nur das eigene Handy, sondern auch das der Trauzeugen und der engsten Begleiter auf lautlos stellen.
Denn ein Klingelton genau in dem Moment, in dem die Ringe getauscht werden, ist zwar nicht dramatisch, aber definitiv unvergesslich.
"Wo ist eigentlich mein Brautstrauß?"
Auch die Braut kann einmal etwas Wichtiges vergessen. In einem Fall fiel der Braut erst während der Trauung auf, dass ihr Brautstrauß fehlte.
Das ist zunächst einmal ein kleiner Schreckmoment. Schließlich gehört der Brautstrauß für viele Bräute genauso zum Erscheinungsbild wie Kleid und Schleier.
Aber genau hier zeigt sich, warum man als Trauredner nicht nur einen schönen Text vorbereiten sollte, sondern während der gesamten Zeremonie aufmerksam bleiben muss.
Denn eine Hochzeit ist keine Theateraufführung, bei der alles exakt nach Drehbuch läuft, manchmal muss man einfach improvisieren.
Und dann war da noch mein Hosenstall…
Nicht nur Braut und Bräutigam können für unfreiwillige Unterhaltung sorgen. Auch der Trauredner selbst ist davor nicht geschützt.
Bei einer Trauung ganz am Anfang meiner Karriere als Standesbeamter war tatsächlich der Reißverschluss meiner Anzughose offen. Das Bemerkenswerte daran: Ich habe es selbst nicht bemerkt. Und – noch viel wichtiger – offenbar auch sonst niemand.
Ich habe meine Rede gehalten, die Trauung durchgeführt und irgendwann später festgestellt, was da während des gesamten offiziellen Teils passiert war.
Seitdem gehört für mich zum persönlichen "Trauungs-Check" nicht nur:
- Ringe da?
- Unterlagen da?
- Mikrofon eingeschaltet?
- Rede dabei?
- Sondern auch: Hosenstall zu?
Man lernt schließlich aus seinen Erfahrungen.
Wenn plötzlich alle vor der Tür stehen…
Eine meiner wohl ungewöhnlichsten Erfahrungen hatte mit einer sogenannten Ausländer-Trauung Anfang der 2000er Jahre zu tun. Der Hochzeitstermin war leider nicht ordnungsgemäß kommuniziert worden. Gleichzeitig war die Kollegin, die mit den Brautleuten zuvor alles ausgemacht hat, krank. Und plötzlich standen sie da. Alle. Das Brautpaar, die Gäste – und ich in Vertretung meiner Kollegin.
Nur leider nicht in der Kleidung, in der man normalerweise eine Trauung durchführt. Da die Trauung natürlich trotzdem stattfinden sollte und konnte, blieb nur eines: Improvisieren.
Also führte ich die Trauung kurzerhand in Jeans und einem orangefarbenen T-Shirt durch. Nicht unbedingt das klassische Standesbeamten-Outfit.
Aber manchmal ist eine stattliche Amtskleidung eben weniger wichtig als die Tatsache, dass das Brautpaar nicht unverrichteter Dinge wieder nach Hause geschickt wird.
Und ich bin ziemlich sicher: Diese Hochzeit wird das Brautpaar nie vergessen. Schon alleine wegen meines Outfits.
"Jo, hallo…?"
Eine meiner kuriosesten Erfahrungen ereignete sich während einer Traurede, auch schon viele Jahre zurückliegend. Ich war mitten in meiner Rede, als plötzlich das Handy eines Gastes läutete. Das allein wäre noch kein Drama gewesen, doch der betreffende Gast nahm tatsächlich ab und begann laut zu telefonieren. Während der Traurede.
Es kann natürlich auch damit zusammenhängen, dass die gesamte Hochzeitsgesellschaft –
inklusive Braut und Bräutigam –
offensichtlich schon ein wenig vorgefeiert hatte...
Es gibt Momente, in denen man als Trauredner kurz überlegen muss: Soll ich jetzt reagieren – oder einfach weitermachen? Ich habe mich für Letzteres entschieden. Denn auch das gehört zu einer Trauung: Man kann nicht alles kontrollieren. Und manchmal ist es besser, einen kurzen Moment einfach vorbeiziehen zu lassen, als daraus eine größere Sache zu machen.
"Najaaaa …"
Und dann gibt es noch jene Momente, bei denen man sich im Nachhinein fragt, ob das Leben vielleicht bereits einen kleinen Hinweis geben wollte. Bei einem Konsensgespräch fragte ich einen Bräutigam sinngemäß, ob er seine Partnerin heiraten möchte. Er meinte es natürlich lustig (der Brautvater sah das allerdings anders) und begann, mit einem Augenzwinkern beim "Ja" zu zögern. Statt eines klaren "Ja" kam zunächst: "Najaaaa…". Alle lachten –
es war offensichtlich als Scherz gemeint – und die beiden heirateten schließlich. Allerdings hielt die Ehe nicht besonders lange.
Ob das "Najaaaa" damals schon ein prophetischer Moment war? Das überlasse ich lieber der Interpretation.
Was sonst noch alles bei einer Hochzeit alles schiefgehen kann
Die Liste ließe sich noch lange fortsetzen:
- Die Musik funktioniert plötzlich nicht
- Das Mikrofon gibt mitten in der Trauung den Geist auf
- Der Ring fällt zu Boden
- Der Trauzeuge hat die Ringe im Auto liegen lassen
- Die Braut bleibt mit dem Kleid irgendwo hängen
- Der Wind bläst die Traurede vom Tisch
- Ein Regenschauer kommt genau im falschen Moment
- Ein Kind läuft während der Zeremonie quer durch die Location
- Der Hund macht sich selbstständig
- Oder der Fotograf bittet plötzlich alle Beteiligten um eine Wiederholung eines Moments, der eigentlich gerade ganz spontan entstanden ist
All das kann passieren. Und gerade bei Trauungen im Freien kommen noch einige zusätzliche Faktoren dazu: Wetter, Wind, Sonne, Tiere, technische Geräte und manchmal auch neugierige Spaziergänger. Perfekt geplant
muss nicht perfekt bedeuten.
Vielleicht ist das sogar eine der wichtigsten Erfahrungen, die ich aus meinen vielen Trauungen mitgenommen habe: Eine Hochzeit muss nicht vollkommen fehlerfrei sein, um perfekt zu werden. Im Gegenteil. Oft sind es die kleinen Pannen, die später zu den schönsten Erinnerungen werden.
Über das perfekte Blumengesteck spricht man vielleicht irgendwann nicht mehr. Über den Bräutigam, dessen Handy ausgerechnet beim Ringtausch läutete, erzählt man hingegen noch Jahre später. Über den Brautstrauß, der plötzlich verschwunden war. Über den Trauredner im orangefarbenen T-Shirt. Oder über den Moment, in dem der Ring beinahe zu Boden ging.
Das sind die Geschichten, die eine Hochzeit persönlich machen. Und was macht ein guter Trauredner in solchen Situationen? Vor allem: ruhig bleiben.
Eine Trauung ist kein Fernsehstudio und keine perfekt choreografierte Bühnenshow. Sie ist ein einmaliger Moment im Leben zweier Menschen. Deshalb gehört für mich zu einer guten Trauung nicht nur eine persönliche Rede, die genau zum Brautpaar passt. Es gehört auch dazu, im richtigen Moment zu improvisieren, kleine Pannen souverän aufzufangen und manchmal einfach über sich selbst lachen zu können. Denn am Ende zählt nicht, ob alles exakt nach Plan gelaufen ist. Sondern ob das Brautpaar am Ende sagen kann: "Genau so war es unsere Hochzeit."
Und vielleicht sind es gerade die kleinen Pleiten, Pech und Pannen, die dafür sorgen, dass man diesen Tag niemals vergisst.
