Mein Weg vom Standesamt zur freien Trauung

Wenn mich Brautpaare fragen, warum ich neben meiner Tätigkeit als Standesbeamter auch Freie Trauungen anbiete, dann gibt es darauf keine einfache Antwort. Es war nicht ein einzelner Moment, sondern eine Entwicklung.
Einen Augenblick allerdings werde ich wohl nie vergessen: Vor einigen Jahren durfte ich die standesamtliche Trauung eines jungen Brautpaares durchführen. Am nächsten Tag feierten die beiden ihre große freie Trauung in einem sehr noblen Hotel – mit vielen Gästen, einer traumhaften Kulisse und allem, was man sich für eine Hochzeit wünschen kann.
Einige Zeit später begegnete ich dem Brautpaar wieder. Und was sie mir damals sagten, hat mich tief bewegt. Sie erzählten mir, dass meine standesamtliche Trauung sie emotional viel stärker berührt habe als die große freie Zeremonie am Tag darauf. Dass sie persönlicher gewesen sei. Authentischer. Einfach näher an ihnen. Und ich muss ehrlich sagen: Mit einer solchen Rückmeldung hatte ich nicht gerechnet.
Natürlich hat jede Traurednerin und jeder Trauredner einen eigenen Stil, und jede Zeremonie ist einzigartig. Mir wurde in diesem Moment jedoch bewusst, dass meine langjährige Erfahrung als Standesbeamter und meine Art, persönliche Geschichten in Worte zu fassen, auch außerhalb des Standesamtes einen besonderen Wert haben können.
Genau dort entstand der Gedanke, Menschen nicht nur in meiner Heimatgemeinde, sondern in ganz Österreich begleiten zu dürfen.
Nach vielen Jahren und unzähligen Trauungen weiß ich: Eine gute Traurede entsteht nicht durch schöne Formulierungen allein. Sie entsteht durch aufmerksames Zuhören. Durch echtes Interesse an den Menschen. Durch die Fähigkeit, gemeinsame Erinnerungen, kleine Eigenheiten, große Gefühle und leise Momente zu einer Geschichte zu verbinden, in der sich das Brautpaar und seine Gäste wiederfinden.
Als Standesbeamter habe ich gelernt, wie wichtig Ruhe, Sicherheit und ein würdevoller Rahmen sind. Als Freier Trauredner darf ich diese Erfahrung mit kreativer Freiheit verbinden. Ich kann mir noch mehr Zeit nehmen, Euch kennenzulernen, Eure Geschichte zu entdecken und eine Zeremonie zu gestalten, die genau zu Euch passt – unabhängig davon, ob Ihr auf einer Alm, in einem Schloss, am See, im eigenen Garten oder mitten im Wald heiraten möchtet.
Ein weiterer Grund, warum ich diesen Weg gegangen bin, ist ganz einfach: Es gibt kaum eine schönere Aufgabe, als Menschen an einem der glücklichsten Tage ihres Lebens begleiten zu dürfen – zu erleben, wie aus Aufregung Vorfreude wird. Wie während der Traurede gelacht wird. Wie Eltern gerührt lächeln, Freunde Tränen in den Augen haben und sich zwei Menschen voller Überzeugung das Ja-Wort geben.
Solche Momente sind nicht planbar. Aber sie sind es, die eine Hochzeit unvergesslich machen.
Mit "Besondere Trauungen" habe ich mir deshalb einen Herzenswunsch erfüllt: Ich darf das tun, was ich seit vielen Jahren mit Leidenschaft mache – Menschen mit Worten berühren und ihnen eine Trauung schenken, die ihre Geschichte erzählt.
Denn am Ende geht es nicht darum, möglichst viele schöne Sätze zu hören. Es geht darum, dass Ihr Euch Jahre später an diesen einen Moment erinnert und sagen könnt: "Genau so waren wir. Genau das waren wir."
